Lasern


Der Laser oder inzwischen ILCA ist eines der Segelboote, mit denen ich mich in den letzten Jahrzehnten nicht anfreunden konnte und gegen die ich mich als Trainer fast schon gewehrt hatte. Die Boote sind einfach und eigentlich sehr primitiv aufgebaut, kosten im Vergleich dazu aber gefühlte Unsummen, sind technisch langweilig und irgendwie doof.

Aufgeweicht wurde meine Haltung eigentlich erst durch immer wiederkehrende Gespräche mit unserem ehemaligen Landestrainer und die Tatsache, dass mein größerer Sohn für den Laser prädestiniert scheint. Im Opti war er eigentlich immer zu groß für sein Alter und da er auch athletisch ganz gut entwickelt war, habe ich dem mit 12 Jahren frühen Umstieg in den ILCA auch zugestimmt. In seinem zweiten ILCA-Jahr ist er auch schon im ILCA6 angekommen und beginnt mit seinen 14 Jahren langsam die Spitze der 6er anzugreifen.

Da auch der kleine Sohn inzwischen ILCA segelt, hatte ich nach einigem Überlegen und Suchen auch für mich einen ILCA gekauft und ihn inzwischen immerhin fünf Mal bewegt. Ende Juni waren wir gemeinsam auf unserem See unterwegs und jetzt Ende Juli auf der Wismarer Bucht. Das Vortraining zur IDJM hatte uns hierher geführt und nachdem ich am ersten Trainingstag noch als Trainer unsere VBS-ILCA4 betreut hatte, konnte ich an den anderen Tag selbst ein bisschen segeln.

Am ersten Tag hatte ich natürlich einen der beliebten Anfängerfehler begangen und den Stöpsel nicht eingedreht und natürlich auch keinen dabei. Der Tag war böig und während ich hinausfuhr, konnte ich schön Halbwind fahren. Der Wind nahm vor allem zu den Schauern immer ein bisschen zu, manchmal auch ein bisschen mehr. Ich kenterte, als ich Kraut vom Ruder entfernen wollte und merkte dabei dann auch, dass der Stöpsel fehlte und drehte um. Der Rückweg war dann nicht mehr so lustig, weil ich natürlich Bedenken hatte, ob ich noch schwimmend an Land komme. Auf der Kreuz trimmte ich das Boot dann weit nach vorne, so dass das Heck etwas raus kam und irgendwie kam ich auch wieder zurück. Das Boot war dann ein bisschen schwerer als üblich und das Wasser lief eine Weile aus dem Heck.

Am zweiten Tag war ich etwas besser vorbereitet. Der Wind wehte wieder westlich, einzelne Schauer lagen in der Luft. Heute wollte ich etwas die Wismarer Bucht erkunden und vielleicht bis auf Höhe von Timmendorf auf der Insel Poel segeln. Ich ließ die Jugendlichen, die sich auf die IDJM vorbereiten wollten, ins Wasser, kontrollierte noch mal meinen Stöpsel und machte mich dann auf den Weg.

Der Wind kam wieder westlich und wieder zogen Schauer durch, die mit kräftigen Böen garniert waren. Ich fuhr hoch am Wind ungefähr parallel zur Fahrrinne. Wenden mußte ich nur bei größeren Drehern, ansonsten blieb es fast ein Anlieger. Die anderen Laser waren im östlichen Teil der Wismarer Bucht, so dass ich ziemlich allein auf dem Wasser war.

Am Eingang zur Wismarer Bucht fiel ich ab und fuhr quer rüber Richtung Timmendorf. Die Steilküste wurde langsam größer, die Entfernung war aber schwer abzuschätzen. Langsam wollte ich umdrehen, aber auch nicht ohne irgendeine Wendemarke. So war es gut, dass die Tonnen 23 und 20 in Sichtweite gekommen waren. Ich rundete die rote 20 und begab mich dann auf einen endlosen Raumschotkurs.

Hier war schon etwas Welle und der Wind wehte auch kräftig. Das Boot kam ins Gleiten, ich erreichte über längere Zeit weit mehr als 10 kn (Knoten) und im Maximum habe ich 12,6 kn gemessen. Das ganze fühlte sich sogar noch nach etwas mehr an, da man beim Laser quasi im Wasser sitzt. Vom 505 kannte ich das anders, der wird zwar deutlich schneller, man wird aber nicht mal halb so naß.

Nach dem ausführlichen Glitschen durch die Wismarer Bucht, bei dem ich nicht nur einmal kurz Luft holen und mich neu konzentrieren mußte, da ich einer Kenterung nur knapp entgangen war, suchte ich die VBS-Gruppe und wollte noch einmal kurz schauen, wie die Jungen Wilden das so machen auf dem Wasser.

Ich kam auch gerade rechtzeitig, um noch am rotierenden Pfadfinderstart teilnehmen zu können. Das war eine Übung, die einem kaum Zeit zum Luft holen und nachdenken läßt. Denn eigentlich ist man immer im Wettfkampfmodus. Nach einem angesagten Start geht es immer im Kreis, der jeweils letzte wird neuer Pfadfinder und sowie er am Motorboot vorbei ist, geht es weiter und wieder hoch zur Luvtonne. Der Vorbereitungsaufwand ist gering, der Spaß bei mir aber zumindest sehr groß. Mit der Gruppe ging es dann auch wieder in den Hafen zurück.

Am folgenden Tag ging es noch einmal raus auf die Wismarer Bucht. Die Trainingsgruppe ist spät gestartet, weshalb auch ich eher spät unterwegs war. Ich wollte noch einmal in den östlichen Teil der Wismarer Bucht und vielleicht etwas nach Kirchdorf hinein fahren. Das Wetter war wieder ähnlich wie an den letzten Tagen. Westwind mit Schauern und Böen.

Mit einem langen tiefen Schlag fuhr ich bis vor Groß Strömkendorf und beobachtete dabei die bereits trainierenden Gruppen. Dabei nahm der Wind auch noch etwas zu und ich hatte wieder ein bisschen Welle. Kurz und steil, aber nicht allzu hoch. Von Groß Strömkendorf kreuzte ich in die Ausbuchtung vor Kirchdorf, Kirchsee genannt. Stellte dabei aber fest, dass nicht nur die Welle abnahm, sondern auch der Wind nur durch das bisschen Abdeckung stark nachgelassen hat. Schon bei Tonne Kirchdorf 4 war mir das zu wenig und ich fuhr wieder nach Süden auf die Bucht hinaus und weiter am Walfisch vorbei zurück. Auch heute hatte ich wieder schnelle Phasen, im Maximum habe ich 12,7 kn gemessen, aber es waren bei weitem nicht so lange schnelle Abschnitte.

Am kommenden Tag nahm die IDJM der ILCA4 und ILCA6 fahrt auf und ich mußte dann auch wieder arbeiten fahren. Zur IDJM hat Ole einen größeren Bericht auf der Vereinshomepage geschrieben: IDJM ILCA4 und ILCA6 2025 in Wismar

Für mich waren zwei Dinge besonders einprägsam aus diesen wenigen Seemeilen auf der Kühlschranktür. Zum einen fand ich beeindruckend, wie klein und einsam ich mich kurz bei der Fahrt durch die gar nicht mal so große Wismarer Bucht gefühlt habe. Das Revier hat Platz, ist aber nicht riesig. Im Gegensatz zu unserem See ist es aber offen und wenn man abtreibt, könnte man bis Dänemark oder Schweden oder noch weiter kommen.

Auf dem offenen Meer war ich vorher schon. Mit einem 5m-Schlauchboot im Ärmelkanal, vor der Bretagne und auch vor Gijon in der südlichen Biskaya (Thor Heyerdahl – unterwegs mit dem Windjammer) oder auf der Luna im Nordatlantik (Törn auf der Luna am Rand des Nordatlantik). Und auch mit dem 505er war ich bei verschiedenen Regatten auf der Ostsee vor Warnemünde, Kiel, Flensburg. Sogar auf der Wismarer Bucht war ich schon gesegelt. 1983 waren wir hier zur Ostseewoche auf dem Cadet, danach noch zwei mal auf dem Salzhaff bei Rerik. Aber nie hatte ich mich so klein und einsam gefühlt wie am zweiten Tag auf der Wismarer Bucht auf der Kühlschranktür!

Das andere, was mir wieder bewußt wurde – ich bin im Herzen Jollensegler. Der 505er bleibt mein Favorit und sonst bin ich schon vieles zwischen 2,5 und 50 Metern gesegelt. Es hat alles irgendwie seinen Reiz. Aber auf dem Laser kommt das lebendige, was das Jollensegeln so ausmacht, wieder voll zur Geltung. Wahrscheinlich weil man so dicht am Wasser ist. Sogar beim Opti scheint es weiter weg.

Beim 505er ist es das schnelle Ansprechen und die große Geschwindigkeit vor, aber auch gegen den Wind, was mich reizt. Der  Laser wird in keiner Richtung so richtig schnell und von außen sieht auch Gleitfahrt immer ein bisschen gequält aus. Aber er reagiert so extrem auf kleinste Gewichtsverlagerungen und man merkt sofort, was passiert, wenn man etwas rutscht. Einfach herrlich!

Die meisten Bilder im Bericht und auch die Bilder hier stammen vom Vortraining, bei dem ich die ILCA4 des VBS am ersten Tag trainierte.


Veröffentlicht

in

, ,

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert