Lost trails of Barnim - MTB Touren

Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Franken wird wohl eine meiner liebsten Bikedestinations. Nachdem ich mich mal wieder bei blacksurf angemeldet hatte, beschlossen wir zusammen eine kleine Biketour zu veranstalten. Dazu wurde auch ein thread im Frankenforum veröffentlicht, der lebhaftes Interesse an einer Tour signalisierte, am Ende waren wir 4 wackere Biker, die sich in die Weiten der fränkischen Trails wagen wollten.

Erster Treffpunkt war bei coffee in einer Siedlung im östlichen Stadtgebiet von Nürnberg. Hier stieß auch Tortureking dazu. coffee fuhr übrigens ihr kleines feines KONA-SSP und so kam es doch zum KONA-meets-KONA, aber tauschen wollte ich dann doch nicht. Gemeinsam gab es etwas Kultur. In gemäßigtem Tempo ging es an den gigantischen Bauten aus den 30ern vorbei zum Tierpark. Denn nach thread sollte hier der Startpunkt sein und man weiß ja nie, ob nicht dochnoch irgendwer einfach so dazustoßen wird.

Pünktlich 10.30 kam dann auch am Tierpark ein Biker den Berg heruntergerauscht und ich dachte, der will noch mit. Aber er zirkelte so gekonnt und schnell durch den Wald, dass er wahrscheinlich nicht mal einen Gedanken an die komischen Biker dort auf dem Parkplatz verschwenden wollte.

Wir starten zunächst in das Singletrailrevier östlich des Tiergartens. Einer gemäßigt steilen Auffahrt folgt eine kleine Treppe und dann tauchen wir ein in eine Serie von leicht geschwungenen Trails, die tendenziell eher bergab gehen. Dann eine Weggabelung, an der die FremdenFührer (FF) sich uneins waren - links oder rechts? Wir folgen dem Blaustrich, aber die Uneinigkeit zwischen den FFs wächst, wir fahren mal links, dann wieder rechts und stehen plötzlich vor einem Bach - den es zu überwinden gilt.

Es geht weiter an einer Bahnlinie entlang und schließlich landen wir in Laufamholz. Hier erst mal die Karte raus und nachsehen, wo wir denn sind und wos langgehen könnte. Improvisieren ist angesagt, denn von unserer eigentlichen Route sind wir doch etwas abgewichen. Nach einigen Metern durch Siedlungsgebiet geht's aber wieder zurück in den Wald und wir finden einen netten kleinen Singletrail entlang eines Baches.

Der Trail ist ziemlich wurzelig und windet sich in teilweise engen Kurven am Bach entlang. Und ich kann es nicht lassen, ihn mit möglichst hohem Speed entlang zu fahren, dabei versuche ich, eine harmonische Linie zu finden, aber es rappelt und scheppert im Getriebe und ich merke, dass ich noch den Umwerfer wechseln wollte - die Kette geht andauernd aufs mittlere Blatt hinunter. Irgendwann drehe ich mich um und sehe, da ist niemand mehr...

Gemeinsam geht es dann weiter durch den Wald. Eine der Schwierigkeiten besteht hier wohl darin, dass in fast jeder Richtung eine Autobahn zu sein scheint? Oder ist die Straßendichte nur so groß, dass ständig so'n Teil nervt. Und immer wieder Kreuzungen von Waldwegen und irgendwie kein Plan, wo es genau hingehen muss. Zum Glück hilft uns die Sonne beim Navigieren und schließlich ist Navigation, wenn man trotzdem ankommt.

Nach einigen Kilometern Waldweg erreichen wir Brunn. Hier trennen sich unsere Wege. Es ist schon relativ spät geworden und Coffee und Tortureking müssen zurück nach Nürnberg - die Pflicht und auch das Vergnügen rufen. Aber mein verbliebener FF hat sich vorgenommen, mir die Röthenbachklamm zu zeigen und so "muss" ich noch weiter biken.

Die Klamm wird dann echt genial. Von unserem Einstieg fahren wir sie stromauf. Der Weg schlängelt sich in teilweise sehr engen Kurven immer am Bach entlang und überquert ihn auch immer wieder mit kleinen Holzbrücken. Und wir haben Glück, die Klamm ist fast leer, nur sehr wenige Wanderer und Biker treffen wir hier. So ein bisschen erinnert mich das ganze an den Weg am Nonnenfließ bei mir im Barnim, nur dass dort vor allem Buchen stehen und hier alles etwas größer, tiefer und breiter ist.

In Ungelstetten haben wir endlich eine Rast, und planen von da den weiteren Weg. Es geht zunächst auf der Straße bis Altenthan. Hier nervt der Wind etwas, der uns entgegen weht, aber andererseits tut es auch mal gut, die Beine auszutreten. Ab Altenthan folgen wir dem Höhenbach.

Es (oder er) geht zunächst entlang einer Felswand und der Weg ist sehr aufgeweicht und breit. Später wird es aber enger und wir haben einen ziemlich genialen Singletrail unter die Stollen bekommen. Die Kurven sind nicht zu eng und es macht flow... Mittendrin einige steile Abfahrten über Wurzeln, an denen wir beide absteigen müssen. Und weiter geht es auf dem Trail.

Die Navigation ist jetzt auch einfach - wir folgen immer der Muschel, die den Jakobsweg kennzeichnet. So kommen wir locker ohne größere Umwege bis nach Röthenbach, wo wir auf den alten Kanal (oder Ludwig-Donau-Main-Kanal) treffen. Ab hier wird's einfach zu fahren, aber auch ziemlich voll. Die Nähe zur Stadt und die fortgeschrittene Stunde lassen die Wanderer und Radfahrer die Wege verstopfen. Und nicht einmal das Ausweichen auf die Trails oberhalb des Kanals hilft, auch hier Wanderer und Hunde. Dafür treffen wir noch einen Frankenforumsbiker und machen ein kurzes Schwätzchen.

Am Main-Donau-Kanal noch einmal ein Abstecher auf den Kanalberg - Wohl eine alte Müllhalde? - mit herrlichem Blick über Nürnberg. Und am MDK entlang geht's dann auch zurück zu blacksurf. Wir beenden den schönen Trip nach gut 90 Kilometern.

Es war ne coole Tour, die mal wieder nach dem Motto: Umwege erhöhen die Ortskenntnis! verlief. Eine der Schwierigkeiten stellt sicherlich die Navigation im Suburbanen Raum dar. Die ganze Zeit überlegte ich jedoch über die Bedeutung des Wortes Fremdenführer. Bisher dachte ich immer, dass der "Fremde" geführt wird, oder ist nach dem Ursinn des Wortes der Fremde nachher der Führer?

Ick freu mich auf jeden Fall auf die nächste Tour in Franken und wenn Ihr mal in den Osten kommt - ich zeig Euch gerne die schönsten Barnimtrails!

STW 2004

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